Kommentar zum geplanten Kulturschutzgesetz

Der Kampf um die Beschneidung des freien Handels und dem damit verbundenen Zugewinn staatlicher Einflussnahme ist spätestens seit Gründung der Reichskulturkammer 1933 nichts wirklich Neues.

Infolge dieses Unterfangens zur „Kontrolle deutscher Künstlerschaft“ erleben wir unter dem Deckmäntelchen sozialer Alimentierung bis heute einen Auswuchs an verstaatlichten Kunsteinrichtungen (*allein in Berlin existieren 28 kommunale, also verstaatlichte, „Galerien“ plus unzählige sogenannte „freie Projekte“) der eine klare Sprache spricht:

Der freie Kunsthandel ist dem Staat nicht genehm. Und das nicht, weil der Handel „der wichtigste Teil des Kunstbetriebs“ ist oder gar weil es „ohne den Kunstmarkt keine Kunst gibt“ (*Das ist Mumpitz.), sondern aus dem genauen Gegenteil.

Die rein monetäre Sichtweise, die man Händlern nicht verdenken kann, ist deshalb noch (*so gruselig das klingen mag) die idealistischere Variante.

Bild: Edmund Piper, Moni, ca. 210 x 160 cm, Foto a. Alu-Dibond, Preis: 150.000,- €
www.edmundpiper.de

Denn unter dem Strich geht es hierbei, neben finanziellen Aspekten, vor allem um die Stärkung staatlicher Einflussnahme auf das, was Kunst zu vermitteln mag: Ideen, Denkansätze, Botschaften.

Sollte es nun also zum, wie angedacht, neuen nationalen „Kulturschutzgesetz“ kommen und (*ich fabuliere mal) unser schönes Deutschland eine etwas weniger demokratische Entwicklung nehmen, dann wäre es schwerlich möglich, künstlerische Botschaften, die älter als 50 Jahre sind und teurer als 150.000 € geschätzt werden, außer Landes zu bringen. Und sie somit womöglich zu retten.

Nicht unerwähnt bleiben soll hierzu, dass die anvisierte Bemessungsgrenze von 150.000,- € nur als Witz verstanden werden kann, da diese Preise angesichts aktueller Marktentwicklungen heutzutage bereits von Zeitgenossen erzielt werden. Gerhard Richters (*83) „Grün-Blau-Rot“ brachte es bei Lempertz auf 421.600,- €. Für die Arbeit „Süden“ seines noch viel jüngeren Namensvetters Daniel Richter wurden bei Christie’s bereits 2007 schlappe 434.456,- € hingeblättert. Und “Richter der Jüngere“ ist gerade mal 52 Jahre alt! Er kann noch einiges schaffen.

Was also tun, wenn man sich einen Daniel Richter kauft? Die Arbeit außer Landes bringen, bevor sie das Alter von 50 Jahren überschritten hat?

Das ist absurd!

Ebenso wirr erscheint unter den oben genannten Bemessungsgrundlagen das Fabulieren vom “schützenswerten nationalen Kulturgut“. Als wenn der Kunstmarkt nicht längst ein internationaler wäre. Schon allein deshalb, weil sich spätestens seit Erfindung moderner Kommunikationsmittel und erschwinglicher Reisemöglichkeiten Künstlerinnen und Künstler weltweit vernetzen und beeinflussen.

Auch vor diesem Hintergrund passt der neue Gesetzesentwurf nicht in unsere Zeit. Und nicht in die Denke der Kunst. Er zeigt sich an einem rückständigen Werksbegriff verhaftet und ist damit zutiefst reaktionär.

In einem jedoch muss man unserer Kulturstaatsministerin Monika Grütters (*CDU) voll umfänglich Recht geben, nämlich dann, wenn sie davon berichtet, dass Kunst mehr sei, als “reine Spekulationsware“ und dass es um ihren „intrinsischen Wert“ ginge. Denn genau damit trifft sie des Pudels Kern.

Kunst kann mehr als seelenlose Geldanlage: Gerade deshalb benötigt sie den ganz besonderen Schutz des FREIEN Handels!

Auf mögliche Folgeprobleme, des geplanten “Schutz von deutschem Kulturgut vor Abwanderung ins Ausland“, die sich aus der Zuständigkeit der Kulturhoheit der Länder gegenüber dem Bund ergeben, will ich hier lieber nicht eingehen. Denn dies würde unweigerlich die Frage aufwerfen, ob fürderhin auch die Ausfuhr von Kunst in andere Bundesländer eines “gesonderten staatlichen Schutzes“ bedarf.

Darum abschließend:

Wenn dem Staat bestimmte künstlerische Arbeiten so sehr am Herzen liegen, weshalb orientiert man sich dann nicht an der britischen Reglung eines zeitlich befristeten Vorkaufsrechts? Das wäre konsequenter.

Doch so fordert der Staat Handhabe über Inhalte, ohne dafür in die eigene Tasche greifen zu müssen. Kontrolle für frei.

Und was kommt als Nächstes?

Wie wäre es zum Beispiel mit einem Einfuhrverbot für künstlerische Arbeiten von Bedeutung?

Nicht, dass hier sonst noch jemand auf dumme Gedanken kommt.